die Prozessbasierte Therapie (PBT) nach Hofmann & Hayes (2019) bietet ein neues und integratives Verständnis über psychische Störungen und Therapie und stellt einen Paradigmenwechsel in der psychotherapeutischen Versorgung dar. Im Mittelpunkt steht das Verständnis psychischer Störungen als dynamische Netzwerke sowie die gezielte Arbeit an individuell relevanten Veränderungsprozessen – anstelle der Behandlung diagnostischer Syndrome mittels standardisierter Protokolle bzw. Manuale.
Die hier angebotene Fortbildung orientiert sich am neuesten Stand der internationalen PBT-Forschung. In diesem zweitägigen Workshop werden grundlegende Konzepte der PBT sowie zentrale Verfahren zur Prozessdiagnostik und Prozessmodulation vermittelt.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und eine intensive gemeinsame Arbeit!
Dr. Hans Onno Röttgers (IVV, Workshop-Organisation)
- Dr. Kurt Quaschner (IVV, 1. Vorsitzender)
- Prof. Dr. Tilo Kircher (Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg, UKGM)
❓ Was ist Prozessbasierte Therapie?
Traditionelle Diagnosesysteme beruhen auf dem medizinischen Krankheitsmodell, das Symptome psychischer Störungen als Ausdruck zugrundeliegender Erkrankungen versteht. Dieses kategoriale Konzept stößt jedoch im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung zunehmend an seine Grenzen.
Die Prozessbasierte Therapie bietet eine Alternative: Sie betrachtet psychische Probleme als dynamische Systeme funktional verbundener Prozesse. Symptome werden nicht mehr als Ausdruck einer verborgenen Krankheit verstanden, sondern stellen selbst die Störung und deren Dynamik dar.
PBT stellt kein neues Therapieverfahren dar, sondern ist ein Metamodell zur Organisation und Vereinheitlichung bestehender evidenzbasierter Therapieansätze. In Verbindung mit dem Netzwerkansatz und der Netzwerkkontrolltheorie können individuelle Problemkonstellationen präzise erfasst und gezielte Interventionen abgeleitet werden. Ziel ist es, die zentralen Prozesse zu verändern, die den größten aufrechterhaltenden Einfluss auf das Befinden haben. Dadurch entsteht ein flexibler, personalisierter Therapieansatz, der sich stärker an den individuellen Bedürfnissen und dem jeweiligen Lebenskontext der Patient:innen orientiert als traditionelle Verfahren.
📚 Inhalte des Workshops
- Warum Prozessbasierte Therapie? – Probleme und Grenzen Diagnosen-orientierter Psychotherapie
- Das latente bzw. den Symptomen zugrundeliegende Krankheitsmodell
- Von Behandlungsmanualen hin zur Prozessbasierten Therapie
- Der Netzwerkansatz
- Das Extended Evolutionary Meta-Model (EEMM)
- Zentrale Veränderungsprozesse und wirksame Strategien
- Ecological-Momentary-Assessment (EMA)
- Die Netzwerk-Kontrolltheorie
- Ausblick: Zukunft der prozessbasierten Psychotherapie und Integration in die eigene Praxis
👥 Die Referenten
Dr. Marlon Westhoff
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich „Klinische Psychologie“ der Philipps-Universität Marburg in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Stefan G. Hofmann (Mitbegründer der Prozessbasierten Therapie). Seine Forschungstätigkeiten umfassen u. a. die Umsetzung der PBT in die Praxis, die Nutzung dynamischer Netzwerkanalysen für die klinische Praxis und die Untersuchung zentraler Prozesse in der klinischen Psychologie.
Dr. Hans Onno Röttgers
Arbeitet in eigener Praxis als psychologischer Psychotherapeut (KVT) und ist als Lehrtherapeut, Supervisor, Coach und Dozent tätig. Er ist geschulter PBT-Therapeut und setzt dieses Verfahren regelmäßig in seiner alltäglichen Arbeit ein. Außerdem engagiert er sich als Studientherapeut in einer PBT-Studie am Fachbereich Psychologie der Goethe-Universität Frankfurt.
📅 Termine & Zeitablauf
Wann: 19. – 20. Februar 2027 (12 Unterrichtseinheiten / UE)
- Freitag, 19.02.2027 (14:00 – 19:00 Uhr):
- 14:00 – 15:30 Uhr
- 15 Min. Pause
- 15:45 – 17:15 Uhr
- 15 Min. Pause
- 17:30 – 19:00 Uhr
- Samstag, 20.02.2027 (09:00 – 15:00 Uhr):
- 09:00 – 10:30 Uhr
- 30 Min. Pause
- 11:00 – 12:30 Uhr
- 60 Min. Pause
- 13:30 – 15:00 Uhr
📍 Veranstaltungsort
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (UKGM)
Rudolf-Bultmann-Straße 8
35039 Marburg
📝 Teilnahme, Gebühren & Anmeldung
- Teilnehmerzahl: Mindestens 12, maximal 24 Personen
- Fortbildungspunkte: Über die Landespsychotherapeutenkammer Hessen beantragt (voraussichtlich 1 Fortbildungspunkt pro UE)
- Teilnehmergebühr: 348,- Euro
- Stornierung: Bei Stornierung bis spätestens 2 Wochen vor der Veranstaltung wird die Gebühr zurückerstattet. Danach ist keine Rückerstattung mehr möglich.
- Anmeldeschluss: 22. Januar 2027
Anmeldung & Kontakt:
Wir freuen uns über Ihre verbindliche Anmeldung per E-Mail an:
📧 E-Mail: roettgers@ivv-marburg.de
📞 Telefon: 06421 – 9837086
👤 Ansprechpartner: Dr. Hans Onno Röttgers