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Motivational Interviewing Intensivkurs 2027

Wie motiviere ich»unmotivierte« Menschen?

Termine:

Workshop-Tag 1: 18.06.2027, 9.00 – 16.30 Uhr (8 UE)

Workshop-Tag 2: 19.06.2027, 9.00 – 16.30 Uhr (8 UE)

Für beide Tage gilt der folgende Zeitablauf: 9-10:30 Uhr, 15 min. Pause, 10:45-12:15 Uhr, 60 min. Pause, 13:15-14:45 Uhr, 15 min. Pause, 15-16:30 Uhr

Einführung

Motivational Interviewing (MI) ist in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung klientenzentrierter Psycho-
therapie – Empathie wird als wesentliche Voraussetzung erfolgreicher Behandlung gesehen – und
kann daher zu den humanistischen Verfahren gezählt werden. Das Vorgehen stimmt weitgehend mit
den Annahmen sozialpsychologischer Theorien – insbesondere der Theorie der Selbstbestimmung –
überein. So wird beispielsweise angenommen, dass die Autonomie der Klienten gefördert werden muss,
um Ambivalenz und damit ein Verharren im Status quo zu überwinden. Die Klienten werden nicht
„überzeugt“ oder „überredet“, sondern vielmehr zu einem sogenannten Chance-Talk – einem lauten
Nachdenken über Veränderung – ermutigt (Möchte ich etwas verändern? Traue ich mir das zu? Warum
sollte ich vielleicht etwas verändern? etc.). Insbesondere seit der Veröffentlichung der zweiten Auf-
lage von Motivational Interviewing greifen die Autoren mehr und mehr die Ergebnisse psycholinguisti-
scher Studien auf.


Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung und eine inten-
sive Arbeit,
Dr. Hans Onno Röttgers (IVV, Workshop-Organisation)
Dr. Kurt Quaschner (IVV, 1. Vorsitzender)
Prof. Dr. Tilo Kircher (Direktor der Klinik für Psychiatrie u. Psychotherapie der Philipps-Universität
Marburg)

Wie motiviere ich „unmotivierte Patienten?

Motivational Interviewing ist ein zugleich direktives und personenzentriertes Behandlungsverfahren,
dessen erfolgreiche Anwendung in hohem Maße von der Kompetenz des jeweiligen Therapeuten ab-
hängt: Verzichtet er auf Belehrungen und Vorhaltungen? Reagiert er angemessen auf die Vorbe-
halte des Patienten? Initiiert und verstärkt er »lautes Nachdenken über Veränderung« (»Change talk«?)
Je mehr Change Talk der Therapeut hört, desto erfolgreicher ist die Behandlung: Patienten, die den
Wunsch formulieren, ihr Verhalten zu ändern, ihre Motive benennen können, die Notwendigkeit einer
Veränderung erkennen und sich schließlich zu einer Veränderung verpflichten, werden erfolgreicher
sein als Patienten, die nicht über einer Veränderung sprechen. Indem der Therapeut ein lautes Nach-
denken über Veränderung initiiert, den Change Talk des Patienten widerspiegelt und zugleich den
»Sustain talk« (Widerstand) abmildert, wird der Patient zum Fürsprecher einer Verhaltensänderung:
Er hört die eigenen Argumente sowohl in seinen Worten als auch in denen des Therapeuten.
Der Therapeut vermeidet Konfrontationen und Vorhaltungen, die den Patienten in die Defensive drän-
gen und ihn nötigen, den Status quo – seine »Laster« oder »schlechten Gewohnheiten« – zu verteidi-
gen.

Mit Hilfe von Transkriptanalysen, Auswertungen von Audioaufzeichnungen, Life- und Videodemonstrationen, Paper-and-Pencil-Übungen, Rollenspielen und Self-Assessment werden den Teilnehmenden folgende Inhalte vermittelt:

  • Assessment und Feedback
  • Deeskalation und Reaktion auf Widerstand
    (Coping with Resistance)
  • Empathie (Reflective Listening: Simple vs.
    Complex Reflections)
  • Eröffnung und Abschluss des Gesprächs
    (Agenda Mapping etc.)
  • Förderung der Veränderungsbereitschaft
    (Change Talk, DARN-C etc.)
  • Förderung der Zuversicht (Confidence Talk)
  • Körpersprache und non-verbale Kommunika-
    tion
  • OARS (open-ended questions, affirmations,
    reflective listening, summaries)
  • Theoretische Grundlagen und aktueller Stand
    der Forschung
  • Ziele und Werte (Value Card Sorting etc.)

Der Referent

Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Ralf Demmel, Dipl.-Psych. Psychologischer Psychotherapeut (VT), Supervisor (VT), Leitender Therapeut (v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel); seit 1999 Mitglied des Motivational Interviewing Network of Trainers, Präsident der deutschsprachigen Sektion, seit 2006 Leitung von internationalen Train-the-Trainer-Seminaren.

Teilnahme

Die Zahl der Teilnehmenden ist auf mindestens 12 und maximal 24 Personen festgesetzt.
Fortbildungspunkte über die Landespsychotherapeutenkammer sind beantragt. Voraussichtlich
wird pro UE jeweils 1 Fortbildungspunkt vergeben.

Veranstaltungsort

Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (UKGM) der Philipps-Universität
Marburg, Rudolf-Bultmann-Straße 8, 35039 Marburg

Anmeldung

Wir freuen uns über Ihre verbindliche Anmeldung per E-Mail, Anmeldeschluss ist der 14.05.2027.

Kontakt

Dr. Hans Onno Röttgers
Tel.: 06421 – 9837086
roettgers@ivv-marburg.de

Teilnahmegebühr

Die Kosten für den 2-tägigen Workshop (16 UE) betragen 484,- Euro.

Stornierung

Bei Stornierung bis spätestens 4 Wochen vor der Veranstaltung wird die Gebühr zurückerstattet. Bei
Stornierungen nach diesem Zeitpunkt ist keine Rückerstattung möglich.

Empfohlene Literatur:
Demmel, R. (2017). Poster Motivational Interviewing: Prozesse
auf einen Blick. Weinheim: Beltz.
Demmel, R. (2020). Motivational Interviewing. In J. Bengel & O.
Mittag (Hrsg.), Psychologie in der medizinischen Rehabilitation:
Somatopsychologie und Verhaltensmedizin (S. 125–135). Ber-
lin: Springer.
Demmel, R. (2022). Motivational Interviewing – Psychotherapie
auf Augenhöhe. In A. Batra & O. Bilke-Hentsch (Hrsg.), Praxis-
buch Sucht: Therapie der stoffgebundenen und Verhaltens-
süchte im Jugend- und Erwachsenenalter (S. 71–78). Stuttgart:
Thieme.
Demmel, R. & Kemény, G. (2022). Motivational Interviewing: Ar-
beitshilfen für Therapie und Beratung. Freiburg im Breisgau.
Lambertus.
Demmel, R. & Zimmer, V. (2024). Ambivalence, autonomy, and
growth: Comment on Miller & Rollnick (2024). SUCHT, 70, 103-Empfohlene Literatur:
Demmel, R. (2017). Poster Motivational Interviewing: Prozesse
auf einen Blick. Weinheim: Beltz.
Demmel, R. (2020). Motivational Interviewing. In J. Bengel & O.
Mittag (Hrsg.), Psychologie in der medizinischen Rehabilitation:
Somatopsychologie und Verhaltensmedizin (S. 125–135). Ber-
lin: Springer.
Demmel, R. (2022). Motivational Interviewing – Psychotherapie
auf Augenhöhe. In A. Batra & O. Bilke-Hentsch (Hrsg.), Praxis-
buch Sucht: Therapie der stoffgebundenen und Verhaltens-
süchte im Jugend- und Erwachsenenalter (S. 71–78). Stuttgart:
Thieme.
Demmel, R. & Kemény, G. (2022). Motivational Interviewing: Ar-
beitshilfen für Therapie und Beratung. Freiburg im Breisgau.
Lambertus.
Demmel, R. & Zimmer, V. (2024). Ambivalence, autonomy, and
growth: Comment on Miller & Rollnick (2024). SUCHT, 70, 103-

https://doi.org/10.1024/0939-5911/a000864
Demmel, R. & Zimmer, V. (2024). Motivational Interviewing. In
D. Deimel, D. Moesgen & H. Schecke (Hrsg.), Soziale Arbeit in
der Suchthilfe. Lehrbuch (S. 279–289). Köln: Psychiatrie Ver-
lag.
Miller, W. R. & Rollnick, S. (2025). Motivierende Gesprächsfüh-
rung: Motivational Interviewing. Freiburg im Breisgau. Lamber-
tus.